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Publizistik von 1820-21/
Pubblicistica del 1820-21

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Istituto per la storia del Risorgimento italiano

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Erstanlage/prima edizione: 05.06.2004,
Stand/ultimo aggiornamento: 01.01.2016

Rezension 2 / Recensione 2:

Ada Gigli Marchetti / Mario Infelise / Luigi Mascilli Migliorini / Maria Iolanda Palazzolo / Gabriele Turi (Hg.), Editori italiani dell'Ottocento. Repertorio (= Franco Della Peruta / Ada Gigli Marchetti: Studi e ricerche di storia dell'editoria, 22), 2 voll., Milano, Franco Angeli, 2004. (1536 pp., 90.- €, ISBN 88-464-5313-1)

Rezension von Werner Daum

Übersicht über die Tagungsberichte und Rezensionen /
Sommario dei resoconti e delle recensioni

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Die italienische Publizistik- und Buchhandelsgeschichte des 19. Jahrhunderts litt lange Zeit unter der einseitigen Ausrichtung der Forschung auf die zweite Jahrhunderthälfte und den Norden der Halbinsel. Gemäß der generischen Auffassung, dass von einem professionalisierten Journalismus in Italien erst ab 1848/49 gesprochen werden könne,1 widmete man sich dem besser zugänglichen Schrifttum der Revolution und der wirkungsvolleren pressegeschichtlichen Entwicklung im italienischen Nationalstaat, wo sich ab 1848 zunehmend der Norden (Firenze, Milano, Torino) als Zentrum des Verlagswesens durchgesetzt habe.2 Seit etwa einem Jahrzehnt hat die Disziplin jedoch deutlich an Forschungsintensität gewonnen und sich auch in systematischerer Weise der einzelstaatlichen Realität in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zugewandt.3 Dies verdankt sich wesentlich den Initiativen zur Koordination der Forschungen, die in einem periodischen Mitteilungsblatt4 und einer inzwischen konsistenten Publikationsreihe beim Mailänder Sachbuchverlag Franco Angeli5 ein viel beachtetes Forum gefunden haben.

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Aus diesem Forschungs- und Publikationszusammenhang entstand das hier anzuzeigende Repertorium, das seit 1999 von Forschergruppen an den Universitäten Mailand, Venedig, Florenz und Neapel vorbereitet6 und nach rund fünfjähriger Bearbeitungszeit nun veröffentlicht wurde. Die gewichtige zweibändige Publikation erhebt zu Recht den Anspruch, ein erstes vollständiges Verzeichnis der italienischen Buchverleger des 19. Jahrhunderts vorzulegen. Das Werk bietet einen Überblick über alle italienischen Verlage, die im 19. Jahrhundert an der Buchproduktion beteiligt waren. Konnte für einen Verleger die Beteiligung an mindestens einer Buchveröffentlichung nachgewiesen werden, fand er Aufnahme in das Verzeichnis. Das Repertorium enthält über 9.000 Einträge zu kleineren und größeren italienischen Buchverlagen des 19. Jahrhunderts in alphabetischer Ordnung, wobei in einem gesonderten Anhang auch die italienischsprachigen Verlage in Tessin, Istrien und Dalmatien Berücksichtigung finden ("Appendice", S. 1173-1198). Die Einträge geben Auskunft über die Eigentumsverhältnisse und ihren Wandel sowie die Geschichte und programmatischen Schwerpunkte der einzelnen Buchverlage.

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Die Einträge verweisen zunächst auf den üblichen Namen und die Branchenzugehörigkeit ("editore", "tipografo", "litografo", "calcografo", "libraio", "cartoliaio", "cartaio", "legatore di libri", "fonditore di caratteri") sowie auf die räumliche und zeitliche Reichweite jedes Unternehmens. Das nachfolgende erste Eintragsfeld gibt Auskunft über alle nachweisbaren zeitgenössischen Bezeichnungen des betreffenden Verlages, die vom üblichen Namen abweichen. Feld 2 informiert über die Eigentümer und Unternehmensführer sowie über deren Wechsel, wobei sich hier durch den Zukauf anderer Verlage oder den Verkauf an andere Verleger zum Teil interessante unternehmerische Verflechtungen und personelle Zusammenhänge eröffnen. Weiterhin widmet sich Feld 3 der Geschichte und Geschäftsaktivität des Unternehmens, die nach Publikationsschwerpunkten thematisch klassifiziert wird ("religioso", "scolastico", "tecnico-scientifico", "giuridico-amministrativo", "saggistica", "intrattenimento", "letteratura per l'infanzia", "editoria d'occasione", "musica", "periodici"). Im Zusammenhang mit der historischen Bedeutung und Produktpalette der Verlage werden auch hier wieder Zusammenhänge im lokalen Verlagswesen aufgezeigt, die sich etwa durch Koproduktionen ergaben. Schließlich dokumentiert das vierte Eintragsfeld gegebenenfalls die Archivquellen und die Literatur, aus denen die Informationen gewonnen wurden und die sich in einem entsprechenden Verzeichnis nachschlagen lassen ("Tavola delle abbreviazioni", S. 1199-1257).

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Bei der Zusammenstellung der enormen Informationsfülle konnten sich die Herausgeber auf die Zuarbeit regionaler Forschungsgruppen stützen, welche die jeweils vorliegenden bibliographischen Hilfsmittel und die Forschungsliteratur für das Verlagswesen ihrer Region auswerteten. In einigen Fällen vermag das Repertorium sogar mit bisher unveröffentlichtem Archivmaterial aufzuwarten. Wesentlicher Bezugspunkt blieben jedoch die einschlägigen bibliographischen Repertorien und Kataloge zum 19. Jahrhundert, und zwar sowohl jene der Epoche als auch neuere Systematiken wie etwa der grundlegende CLIO-Katalog.7 Die differenzierte Quellengrundlage findet sich dokumentiert in einem inhaltsreichen Abkürzungsnachweis, der neben einigen Archivfundi auch über 1.500 Titel enthält ("Tavola delle abbreviazioni", S. 1199-1257) und somit auch eine nützliche Bibliographie zur italienischen Publizistikgeschichte des 19. Jahrhunderts abgibt.

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Das zweibändige Repertorium wird durch ein umfangreiches Registerwerk erschlossen, das einen Zugang zum italienischen Verlagswesen nach einem regional gegliederten Ortsverzeichnis erlaubt, in dem sich jeweils die zu einem Ort gehörigen Verleger aufgelistet finden ("Indice dei luoghi e degli editori", S. 1269-1368). Ein vorangestelltes Ortsregister ("Indice dei luoghi", S. 1259-1267) erlaubt die Zuordnung der einzelnen Ortsnamen zu den Regionen, unter denen Orte und Verleger dann zu finden sind. Zusätzlich ermöglicht ein Namensregister ("Indice dei nomi", S. 1369-1525) auch die Suche nach den zahlreichen Personen, die das Verlagswesen entweder als Eigentümer, deren Namen nicht immer mit dem des Unternehmens identisch war, oder als Autoren mitgestalteten.

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Leider haben sich in die Register einige Ungenauigkeiten und Fehler eingeschlichen, die insbesondere bei Querverweisen für Verwirrung sorgen: So wird zum Beispiel als Auftragsdrucker des "Gabinetto Letterario" (Napoli, bis 1860) die Druckerei von Pasquale Tizzano genannt, deren Eintrag jedoch auf das konkurrierende Lesekabinett "Nuovo Gabinetto Letterario" (Napoli, 1823-1852) verweist, bei dem dann allerdings ein entsprechender Verweis auf Tizzano fehlt. Für die Verlagsgesellschaft "Pappalardo e Nobolo" (Messina, 1817/18) wird Michelangelo Nobolo als einer der Teilhaber aufgeführt, obwohl aus dem Eintrag "Nobolo" hervorgeht, dass eigentlich dessen Vater, Giuseppe Nobolo, die Gesellschaft betrieben hatte, während der jüngere Michelangelo Nobolo dann erst in den 1840er Jahren eine weitere Gesellschaft ins Leben rufen sollte. Auch scheint der Abgleich zwischen Orts- und Namensregister nicht vollständig erfolgt zu sein, denn im Orts- und Verlegerindex wurde beispielsweise unter "Toscana, Firenze" eine so bedeutende Verlegerpersönlichkeit wie Gian Pietro Vieusseux (1779-1863) schlichtweg vergessen, obwohl der Publizist und Verleger Schweizer Abstammung im Hauptverzeichnis selbst aufgenommen wurde.

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So ärgerlich diese - im Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung eigentlich vermeidbaren - Fehler sein mögen, so verständlich sind allerdings die zahlreichen Informationslücken, die den personellen, biographiegeschichtlichen Hintergrund des Verlagswesens insbesondere der ersten Jahrhunderthälfte betreffen. In der Tat weiß das Verzeichnis zu den wenigsten Verlegern auch die biographischen Daten zu nennen, die sich allenfalls durch vertiefende Lokal- und Fallstudien, unter Einbeziehung der archivalischen Überlieferung, gewinnen lassen. In den zahlreichen Fällen, in denen aufgrund von Archivverlusten keine Informationen mehr vorliegen, vermag also auch dieses Repertorium kaum die gewünschten Antworten zu geben.

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Auch bedeutet die Eingrenzung auf die Buchverlage eine gewisse Einschränkung bei der Dokumentation des italienischen Verlagswesens des 19. Jahrhunderts, zumal die Kriterien für eine solche Selektion nicht ausreichend definiert werden. Ab welchem Publikationsumfang wird von einem "Buch" ausgegangen? Während Verleger, die ausschließlich periodisches Schrifttum publizierten, explizit ausgegrenzt wurden, kann dies etwa für Produzenten von Broschürenliteratur nur vermutet werden. Dies würde aber eine merkliche Lücke gerade für das Verlagswesen der ersten Jahrhunderthälfte und des bourbonischen Südens bedeuten, das noch lange von überwiegend kleingewerblich und handwerklich geprägten Unternehmen bestimmt wurde, die auf schnellen Gewinn und einen lokalen, höchstens regionalen Markt orientiert blieben, langfristige Investitionen und unternehmerische Initiativen in der Regel scheuten und im so genannten Drucker-Buchhändler ("libraio-tipografo") ihre zentrale Figur fanden, die in ihrem Betrieb die Produktion und Distribution von Gelegenheitsliteratur (Broschüren, Bekanntmachungen) integrierte.

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Zweifellos bietet das vorliegende Repertorium jedoch für ergänzende Forschungen eine breite und unverzichtbare Grundlage wie es überhaupt jedem Beitrag zur italienischen Publizistik- und Buchhandelsgeschichte des 19. Jahrhunderts künftig zur nützlichen Orientierung dienen wird.


Anmerkungen
  1. Exemplarisch: Luca Torre, Valore e genesi del giornalismo. Origini del giornalismo napoletano, in: Ders. (Hg.), I giornali di Napoli 1799-1861, Napoli 1982, S. 11-14.    Zurück in den Text

  2. Exemplarisch: Alessandro Galante Garrone, I giornali della Restaurazione, in: ders. / Franco Della Peruta (Hg.), La stampa italiana del Risorgimento (= Valerio Castronovo / Nicola Tranfaglia: Storia della stampa italiana, 2), Roma-Bari 1979, S. 1-246; Carlo Barbieri, Il giornalismo dalle origini ai giorni nostri, Roma 1982; Angelica Gernert, Liberalismus als Handlungskonzept: Studien zur Rolle der politischen Presse im italienischen Risorgimento vor 1848, Stuttgart 1990; Paolo Murialdi, Storia del giornalismo italiano, Bologna 1996; Giuseppe Farinelli / Ermanno Paccagnini / Giovanni Santambrogio / Angela Ida Villa, Storia del giornalismo italiano. Dalle origini ai giorni nostri, Torino 1997; Nicola Tranfaglia / Albertina Vittoria, Storia degli editori italiani dall'Unità alla fine degli anni Sessanta, Roma-Bari 2000.     Zurück in den Text

  3. Eine Zwischenbilanz und einen Gesamtüberblick zur Forschungsliteratur der beiden letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, mit nachfolgender regelmäßiger Aktualisierung, bieten Luca Clerici / Bruno Falcetto / Gianfranco Tortorelli (Hg.), Editoria libraria in Italia dal Settecento a oggi. Bibliografia 1980-1998, Milano 2000; Online-Aktualisierung: http://www.fondazionemondadori.it/cms/culturaeditoriale/34/bibliografia.    Zurück in den Text

  4. La Fabbrica del libro. Bollettino di Storia dell'Editoria in Italia, 1 (1995) - ...; Online-Lektüre: http://www.fondazionemondadori.it/cms/culturaeditoriale/37/fabbrica-del-libro.    Zurück in den Text

  5. Franco Della Peruta / Ada Gigli Marchetti (a cura di), Studi e ricerche di storia dell'editoria, Milano 1996 - ... (bisher 65 Bde. erschienen).     Zurück in den Text

  6. Über das Projekt informierten entsprechende Ankündigungen und Arbeitsberichte im erwähnten Mitteilungsblatt: Mario INFELISE, Chi erano gli editori dell'Ottocento?, in: FdL, 4 (1998), H. 2, S. 2-5; ders., Repertorio degli editori italiani del secolo XIX, in: FdL, 6 (2000), H. 2, S. 7-47; Gabriele Turi, Geografia editoriale nell'Italia del XIX secolo, in: FdL, 7 (2001), H. 2, S. 4-14.     Zurück in den Text

  7. Catalogo dei libri italiani dell'Ottocento (1801-1900). Catalogue of nineteenth century Italian books (1801-1900), 19 Bde., Milano 1991; CLIO CD-ROM, Milano 1997.     Zurück in den Text



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Werner Daum, Rezension über Gigli Marchetti ed altri (a cura di), Editori italiani,
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